In den nächsten Wochen werden wir jeden Samstag eine neue Folge kriegen. Um das gebührend zu feiern, will ich hier immer kurz meine Meinung zur Folge wiedergeben. Nicht minutiös, aber hoffentlich so verständlich, dass sowohl Serienneulinge sie verstehen, als auch Veteranen erkennen, wieviel echtes Suikoden in der Serie steckt. Fangen wir also an!
Episode 1: Heimat
Der Anime startet direkt mit einem Kracher, nämlich einer 50-minütigen Folge, also quasi (wenn auch nicht so betitelt oder von der Dramaturgie unterteilt) eine Doppelfolge.
Die Geschichte beginnt in Highland im Jahr 460, im CMp der Einhorn-Jugendbrigade. Die beiden Freunde Jowy und Riliu (der Name des Helden in dieser Adaption) fliehen jedoch und werden nach ihrer Flucht getrennt. Was ist passiert? Zunächst scheint es sich um einen Angriff des Städtebündnisses zu handeln, womit dieses den kürzlich geschlossenen Friedenspakt gebrochen hätte. Doch schnell stellt sich raus, dass die Probleme tiefer liegen. Die Freunde finden sich wieder, kehren in die Heimat zurück und sind dann doch gezwungen, wieder zu fliehen.
Die erste Folge ist eine recht Spiel-nahe Adaption. Heraus sticht vor allem die nicht so lineare Erzählweise. Während das Spiel streng chronologisch und aus Rious/Rilius Sicht erzählt, springt der Anime oft zwischen Riliu, Jowy, dem Angriff auf das Camp und Highland in der Gegenwart. Das tut der Geschichte ganz gut, weil es der Erzählung mehr Tiefe gibt. Vor allem Jowys Szenen mit Pilika sind wirklich niedlich und gehen jetzt schon ans Herz.
Natürlich muss der Anime Änderungen an der Geschichte vornehmen, nicht alles lässt sich 1:1 in eine Serie übersetzen. So sind viele Szenen gekürzt dargestellt oder gar nicht vorhanden. Statt eines Botengangs nach Ryube sieht man nur eine Montage von Rious Arbeiten, statt Nebelmonster eine Montage der Abenteuertruppe. Gleichzeitig ist es wunderschön zu sehen, dass manche Szenen doch 1:1 adaptiert wurden — Jowys Frage, ob Riliu seine Karotten will, oder Nanamis Begrüßung, wenn Riliu in Kyaro erscheint. Somit ergibt sich eine gute Mischung für Menschen, die das Spiel auswendig kennen: Neue Szenen, die vielleicht neue Blickwinkel eröffnen, als auch kleine Eastereggs, die das Herz höher schlagen lassen.
Insgesamt würde ich das Pacing aber als etwas schnell ansehen. Für mich ist es nach 25 Jahren leicht, eine emotionale Bindung zu den Figuren aufzubauen. Wie ergeht es aber jemandem, der sie zum ersten Mal sieht? Es wird dem Zuschauer etwas viel auf einmal zugemutet.
Viel wurde im Vorfeld über die schwankende Animationsqualität geredet, und ich kann mich dem Urteil nur anschließen. Ich bin bei Weiten kein Animeexperte, aber die Qualität schwankt tatsächlich sehr stark, wobei ich der Serie im Schnitt eine überdurchschnittlich Höhe Animationsqualität zugestehen würde. Auch die Synchronsprecher treffen den Ton und musikalisch gibt es immer wieder Reminiszenzen (höhö) an den grandiosen Originalsoundtracks des Spiels. Insgesamt präsentiert sich die erste Folge sehr stark.
Unterm Strich macht die Folge nicht viel falsch, im Gegenteil. Die altbekannte Geschichte wirkt gut gestrafft, auch wenn ich persönlich in manchen Szenen den Fokus vielleicht anders gesetzt hätte und es dann teilweise doch zu flott geht. Die neuen Figuren und Erzählelemente (Liese, Kage) müssen jedoch noch unter Beweis stellen, dass sie nötig sind. Ich bin sehr gespannt auf das, was kommt!
Note: 2+
Fun Facts
Hier ein paar witzige Auffälligkeiten, die mir beim Vergleich Spiel-Anime ins Auge fielen:
- Rina benutzt im Anime eine Windrune, um die Wachen am Nordschwalbenpass einzuschläfern. Nicht nur entgeht uns dadurch eine legendäre Szene aus dem Spiel, auch trug sie im Spiel eine ganz andere Rune: nämlich eine Feuerrune!
- Sind es im Spiel nur Viktor und Flik, die Jowy und Riliu retten, gesellen sich hier Pohl und Gengen dazu.
- Jowy und Riliu tragen am Anfang des Anime von Nanami gefertigte Anhänger. Was es wohl mit denen auf sich hat?

